Der untertägige Abbau mineralischer Rohstoffe hat im Laufe des 20. Jahrhunderts in Deutschland riesige unterirdische Hohlräume geschaffen. Hierdurch werden heute vielerorts die darüber liegenden Tagesoberflächen gefährdet. Diese Gefährdung kann in Form von Senkungen mit erdbebenartigen Auswirkungen auftreten. Diese latente Gefahr herrscht so auch beim ehemaligen Kalisalz-Bergwerk in Teutschenthal vor. Den letzten so genannten Gebirgsschlag gab es in Teutschenthal im Jahre 1996. Hier waren im Großraum Halle starke Erschütterungen mit beträchtlichen Schäden zu verzeichnen.
Zur Gefahrenabwehr werden die unterirdischen Hohlräume verfüllt (versetzt). Mit rund 100 Mitarbeitern ist das Versatzbergwerk Teutschenthal mittlerweile eines der modernsten Werke seiner Art in Europa. Das im Jahr 1982 stillgelegte Bergwerk – das rund 80 Jahre zur Kalisalzgewinnung betrieben wurde – wurde zu einem modernen Versatzbergwerk umgebaut. Bereits seit Anfang der neunziger Jahren werden Versatzbaustoffe in die Grube Teutschenthal eingebracht. Diese Verfüllung kann mit bergbaueigenen oder bergbaufremden Versatzstoffen erfolgen. Hierbei bieten vor allem Salzbergwerke die Möglichkeit, aufgrund ihrer sicheren Abtrennung zur Biosphäre, industrielle Abfälle als Versatzmaterial langzeitsicher zu verwerten.
Um die Versatzleistung zu steigern und die Verfüllung der Hohlräume schneller realisieren zu können, plant die Grubenbetreibergesellschaft „Grube Teutschenthal Sicherungs GmbH & Co. KG“ (GTS) nun, am Standort des Schachtes „Halle“ an der Zscherbener Straße in Angersdorf, eine weitere Anlage zu errichten. In dieser Anlage, die den Anforderungen des Immissionsschutzes entspricht, soll aus gefährlichen Abfällen unter Zugabe von Flüssigkeiten sowie einem Bindemittelersatz ein baustoffähnlicher Versatzstoff hergestellt werden. Bei den hierzu verwendeten Abfällen handelt es sich überwiegend um Rauchgasreinigungsrückstände aus der Industrie. Als Anmischflüssigkeit dient eine aus den untertägigen Solkavernen abgepumpte Salzlösung. Die Notwendigkeit, am Standort Angersdorf Versatzstoffe herzustellen, ergibt sich aus der gutachterlichen Bewertung einer latenten Gebirgsschlaggefahr im Bereich des Grubenfeldes Angersdorf.
Auf der Grundlage von durch das Landesamt für Geologie und Bergwesen (LAGB) des Landes Sachsen-Anhalt zugelassenen Betriebsplänen und einem Langzeitsicherheitsnachweis in Form einer 1. Fortschreibung ist genau vorgeschrieben, in welchem Umfang die vorhandenen bergmännischen Hohlräume aus der Zeit des Gewinnungsbetriebes in Teutschenthal verfüllt und stabilisiert werden müssen.
Im Rahmen einer Altlastenfreistellungsvereinbarung zwischen dem Land Sachsen-Anhalt und der GTS finanziert das Land einen Teil der Kosten der Errichtung der Versatzanlage und der notwendigen Infrastruktur. Gemeinsames Ziel von Unternehmen und Land ist dabei, die dauerhafte Sicherung der Tagesoberfläche sowie der langzeitsichere Einschluss der eingebrachten Versatzstoffe. In Erfüllung des Kreislauf-, Wirtschafts- und Abfallrechtes bestehen die Versatzstoffe aus Abfallstoffen, um die natürlichen Rohstoffe und Ressourcen zu schonen.
Die GTS betreibt bereits seit 2007 eine bauartgleiche Versatzanlage am Standort in Teutschenthal/Bahnhof. Mit dieser Anlage wurden bisher rund 170.000 Tonnen Versatzstoffe, ebenfalls überwiegend aus Rauchgasreinigungsrückständen, hergestellt und mittels Rohrleitung in die Grubenhohlräume verbracht. Aufgrund dieser Erfahrung – auch im Umgang mit gefährlichen Abfällen – hat die GTS die Technologie für die geplante Anlage in Angersdorf weiterentwickelt. Dort wird diese Anlage erstmals auch zur Stabilisierung von nicht dauerstandfesten Solkavernen angewendet werden.
Im Rahmen der Antragstellung zu Errichtung und Betrieb der Versatzanlage nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz (BImSchG) und dem Bundesberggesetz (BbergG) wurde durch unabhängige Gutachter geprüft, welche Einflüsse auf die zu betrachtenden Schutzgüter (Mensch, Boden, Wasser, Luft) einwirken könnten. Anhand dieser Ergebnisse wurden entsprechende Schutzmaßnahmen festgelegt, die in der Planung ihre umfassende Berücksichtigung finden.
Im Vorfeld des Genehmigungsverfahrens wurden durch die GTS nicht nur die Fachbehörden kontaktiert, auch im kommunalen Bereich wurde das Vorhaben umfassend vorgestellt. Aufgrund der aktuellen öffentlichen Diskussion hat sich die GTS entschlossen die Öffentlichkeit umfassend über die Hintergründe zu informieren und allen Fragen offen gegenüber zu stehen. Gemeinsam mit den zuständigen Behörden werden alle Einwände im Rahmen des Erörterungstermins gehört, geprüft und umfassend berücksichtigt werden.
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